Herrmann, Björn
West-Autos in der DDR
Bestell-Nr B0001
ISBN 9783000620034
erschienen 01.01.2019
Umfang 268 Seiten
Gewicht 1400 g
Preis 34,90
Lieferstatus  
Im Straßenbild der DDR bildeten Importfahrzeuge aus dem Westen viel beachtete Farbtupfer. VW Golf, Mazda 323 und Citroën GSA wurden um 1980 in größeren Stückzahlen eingeführt, Volvo produzierte für die DDR nicht nur das Sondermodell 244 DLS, sondern auch verlängerte Limousinen verschiedener Baureihen für die Staatsführung. Erich Honecker standen neben gepanzerten Staatskarossen des Typs Citroën CX auch exotische japanische Limousinen und aufwändig umgebaute Jagd- und Geländewagen westlicher Luxushersteller zur Verfügung.

Dieses Buch erzählt anhand von DDR-Akten nicht nur die spannenden Hintergründe dieser offiziellen PKW-Importe, es enthüllt auch die zentrale Rolle des geheimnisvollen Devisenbeschaffers Alexander Schalck-Golodkowski und seiner Kommerziellen Koordinierung im Ost-West-Fahrzeughandel und zeichnet mit größtenteils nie gezeigtem Fotomaterial die gesamte Geschichte der West-Autos in der DDR nach. Unglaubliche Geschichten – von Walter Ulbrichts Buick bis zum Sieg in der DDR-Rallyemeisterschaft durch einen tapferen VW-Käfer-Fahrer.
Der Autor:
Björn Herrmann, Jahrgang 1973, Autor und Kurator aus Bremen. Breit gefächertes Spektrum von Veröffentlichungen und Ausstellungen zu Kultur- und Kunstgeschichte u.a. für das Museumsdorf Cloppenburg und die Worpsweder Museen. Beschäftigung mit DDR-Fahrzeuggeschichte seit 1993, einer der Autoren des Magazins 79oktan.




Die Autos der Anderen

Auf den Straßen der DDR fuhren nicht nur Trabant, Wartburg, Lada und Ost-Konsorten.
Jetzt müssen Sie ganz tapfer sein, liebe Leser von „79oktan“. Dieses Blatt hat sich der Aufgabe gewidmet, sich mit Verstand und Vergnügen den motorisierten Fahrzeugen zu widmen, die in 40 Jahren unter mehr oder minder sozialistischen Produktionsverhältnissen auf die Straße gekommen sind. Mancher von Ihnen wird damit noch praktische Erfahrungen gemacht haben. Vielleicht waren Sie schon früher wahre Liebhaber dieser eher nicht mehr so recht in die Zeit passenden Autos, hätten etwas Anderes fahren können, wollten aber nicht.
Mancher hätte aber doch gern gewollt, konnte oder durfte aber nichts Anderes kaufen und fahren. Und derer waren so wenige nicht. So, wie zahlreiche Menschen im Osten ihre ganze Kreativität darauf richteten, Wege zu finden, das ungeliebte Land in Richtung Westen verlassen zu dürften, dachten andere Tag und Nacht darüber nach, wie sie an Autos aus eben diesem Westen, der gern auch im skandinavischen Norden oder fernen Osten liegen durfte, kommen konnten.
Einigen ist das auf nicht immer nachvollziehbaren Wegen ganz allein gelungen. Andere profitierten davon, dass die DDR-Oberen zeitweise meinten, es wäre zur Absicherung ihrer Macht von Vorteil, wenn nicht nur sie in mehr oder minder feinem Westblech herumkutschten und deshalb auch Autos zu unterschiedlichen Bedingungen fürs gemeine und auch etwas besondere Volk zum Verkauf brachten.
Genau davon handelt das Buch „West-Autos in der DDR“.
Sie müssen ja diese Autos und ihre Besitzer im Nachhinein nicht lieben. Aber wer sich mit Autos generell befasst, sich für die 40 Jahre DDR interessiert, spezielle Einblicke in ihre Wirtschafts- und Handelspolitik sucht, der kommt an diesem Buch nicht vorbei.
Klaus Zwingenberger




Das DDR-Straßenbild bestand nicht nur aus Trabant & Co., was das Buch „West-Autos in der DDR“ von Björn Herrmann reich illustriert beweist. Privatleute hatten
Schwierigkeiten, West-Autos zu erwerben, aber sogar Hochkaräter wie ein Mercedes-Flügeltüren-SL schafften es in die „Zone“, ganz abgesehen von
Käfern und anderen Wagen, die im Westen Alltäglichkeiten und im Osten wahre Schätze waren. Schön anzusehen die mit DDR-Teilen am Leben erhaltenen
Käfer mit Wartburg-Rückleuchten. Richtig spannend und gut recherchiert im Buch sind die er Jahre, die Zeit übelsten Mangels, als der ebenso illustre wie undurchsichtige
Alexander Schalck-Golodkowski die wirtschaftlichen Stricke zog („Kommerzielle Koordinierung“ heißt das im DDR-Deutsch) und für Westimporte sorgte – Golf, Mazda,
Citroën GSA, Volvo 244 DLS und viele andere. Björn Herrmann beschreibt die kapitalistischen Machenschaften in der DDR in Sachen Autos ausgiebig und belegt dies mittels
zahlreicher Originalbelege. Im Osten vielleicht Allgemeinwissen, neu für den Westler: Die Mercedes-Flotte kirchlicher Würdenträger in der DDR. Ganz spannend
ist das Buch auch für Enthusiasten der Staatslimousinen. Genau werden die verlängerten Volvo und Citroën CX Erich Honeckers und seiner Minister beschrieben.
Was etwas näher beschrieben hätte werden dürfen, sind Honeckers berühmte vier Range Rover Jagdwagen, denn sie waren quasi das Symbol der Abgehobenheit
der DDR-Führungsriege vom Volk. Ebenfalls Bestandteil des Buches die Genex-Importe, die Intershop-Kaufmöglichkeiten,die Mietwagenflotten der Interhotels.
Lediglich eine Möglichkeit, auf die ziemlich viele Westautos in die DDR kamen, beleuchtet Herrmann nicht: Die Fahrzeuge der Grenzgänger, also DDR-Bürger,
die vor dem Mauerbau im Westen arbeiteten und in D-Mark bezahlt wurden, aber im Ostteil Berlins lebten. Sie konnten sich vor 1961 relativ einfach fabrikneue Westautos
kaufen.
Fazit: gut recherchiert, inhaltlich stringent aufgebaut, spannend zu lesen, viele neue Fakten, empfehlenswert. afs

Alexander Franc Storz im Modellautomagazin Caramini, 6/2019




Einführung

Kommerzielle Koordinierung

Genex und Intershop

Interhotel

Volkseigene Volkswagen

Imperialistische Lückenfüller

Von Lloyd bis Cadillac

Limousinen für Doktoren

Variante Foti

Ein ganz besonderer Partner

Ich bin Millionär

Golfstrom

Partnertausch in Japan

Träume gegen Devisen

Exclusives inclusive

Der verbotene Meister

Autos vom anderen Stern

Mittelklasse à la francaise

Schwedische Verlängerung

Wandlitzer Mischung

Chefsache

Offizielle Fahrzeugimporte

Quellen

Impressum
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