Lada Niva

Lada Niva - das Redaktionsfahrzeug

Manche Autogeschichten entstehen als Schnapsidee. Als 79OKTAN noch in den Kinderschuhen steckte, fand Redakteur Sebastian Mai an einem Herbsttag 2016 gegen Mitternacht irgendwo in den Weiten des Internets die Meldung, daß es im Sommer 2017 eine Fahrt nach Togliatti an der Wolga geben soll. Und zwar aus Anlaß des vierzigjährigen Produktionsjubiläums des Lada 4×4, vormals Niva. Auf den Tischen der neu gegründeten 79OKTAN-Redaktion lag zu jenem Zeitpunkt die soeben fertiggestellte Startausgabe. Für kommende Hefte wurden Themen gesucht und die Lada-Niva-Geschichte samt der Reise nach Togliatti löste den Impuls aus: Da müssen wir mit.

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Der Chef gab sein Einverständnis, doch Bedingung für die Teilnahme an der Fahrt war ein Niva und der fehlte bei den 79OKTAN-Mitwirkenden. Es mußte also einer gesucht, gefunden und gekauft werden. Darum kümmerte sich Redakteur Carsten Braun, der ohnehin einen Hang zum Allradantrieb hat. Und er meinte, da 79OKTAN ein Oldtimermagazin ist, müsse es möglichst ein älterer Niva sein. Mit dem 1600er-Motor und der alten Karosserie mit den querliegenden Heckleuchten. Somit war klar: Baujahr 1995 oder älter. Und das beim Niva, dessen Korrosionsanfälligkeit ja quasi legendär ist. Schwierig.
Es fand sich irgendwo in Thüringen ein Exemplar Baujahr 1991, mit Glaskippdach und Fünfganggetriebe. Letzteres war der ausschlaggebende Punkt, der Wagen wurde gekauft. Die Karosserie schien leidlich brauchbar, die Technik war hier und da reparaturbedürftig, aber er lief. Grundsätzliches wurde instandgesetzt und statt des nicht mehr taufrischen grünen Lacks entschieden wir uns dafür, ihn in unserer hellblauen Hausfarbe folieren und mit dem 79OKTAN-Logo beschriften zu lassen.

Im Lada Niva zur Wolga und zurück

Das ganze geschah wenige Wochen vor der Abreise in Richtung Togliatti, im Juli 2017 erschienen wir, das waren Carsten Braun und Sebastian Mai, pünktlich zum Niva-Treffen nahe Berlin, wo die Reise beginnen sollte. Und tatsächlich brachte uns der Niva 3.500 km bis zur Wolga und auch wieder zurück. Abgesehen von einem gewissen Öldurst, einem herausspringenden zweiten Gang und einem kurzen, hin und wieder auftretenden Rucken, das sich nach Zündaussetzern anhörte, aber immer sofort wieder verschwand.
Da der Wagen lief und es ja schade gewesen wäre, ihn nur für diese eine Tour zu nutzen, entschieden wir uns im 79OKTAN-Kollektiv dafür, ihn dauerhaft als Redaktions- und Werbefahrzeug zu behalten. Und es sollte sich bald herausstellen, daß die pannenfreie Tour nach Rußland ein großes Glück war. Zuerst entdeckten wir durchgerostete hintere Federdome – an der Wolga hatte es mehrere Schlammdurchfahrten gegeben und bei einer späteren Reinigung des Innenraumes fiel auf, daß so seltsamer brauner Dreck unter den Bodenmatten war. Getrockneter Wolgaschlamm, wie es schien – und siehe da, auf beiden Seiten waren Löcher in den hinteren Radkästen, die beim Kauf offenbar übersehen wurden. Der Niva wurde geklempnert, soweit alles gut. Das mit dem Öldurst und den Zündaussetzern rächte sich wenige Wochen später auf dem Heimweg von der Erfurter Oldtema 2018. Es gab am Berg mit Anhänger ein kurzes, häßliches Geräusch und hinterm Auto eine starke Rauchwolke – und aus war’s mit der Motorleistung. Er zog einfach nicht mehr. Später stellte sich heraus, daß ein Kolben durchgebrannt war und der Niva nur noch auf drei Zylindern lief. Er bekam einen neuen Motor und auch gleich noch ein regeneriertes Getriebe. Auch ein neuer Kühler war nötig und viele, viele Kleinigkeiten, die am Ende ziemlich viel Arbeit machten. Aber bis heute ist der Niva als Redaktionsfahrzeug unterwegs – wir werden ihn fahren, solange es geht.

AUSGABE 04/20

Beim Lada Niva-Fest in Togliatti / Russland