Zurück nach Apolda

Auf Oldtimertreffen am Wochenende einfach auch mal über Nacht bleiben können, Reinhard und Friedchen suchen einen Wohnanhänger. Etwas mit Charakter, ein regionales und nachhaltiges Produkt. Und was könnte nachhaltiger sein als ein Wohnwagen, der bereits über viele Jahrzehnte so manche Familie beherbergte. Der keine Energie und Ressourcen in der Produktion verbraucht, sondern einfach schon da ist und noch immer klaglos seinen Zweck erfüllt. In Sachen Regionalität haben die beiden es einfach, einst entstanden in Thüringen zahllose Campingwohnwagen, die noch immer sehr beliebt sind. Aber für Reinhard und Friedchen sollte es etwas ganz Besonders werden, ein Wohnwagen aus Apolda gleich um die Ecke.

Hier fertigte einst der Tischlermeister Horst Immisch von 1967 bis 1989 rund 250 Wohnwagen in bester handwerklicher Qualität. In einer Zeit, in der in der DDR die meisten Privatbetriebe verstaatlicht wurden, gingen die Immischs genau den gegenteiligen Weg, traten aus der PGH aus und gründeten ihren eigenen Fahrzeugbaubetrieb. Während Horst Immisch also in der Werkstatt arbeitete, übernahm seine Frau Alberta das Büro und die Kundenbetreuung. Jeder Neukunde bekam von ihr eine detaillierte Einweisung in den „Apolda“ genannten Campingwohnwagen der Immischs. 

Direkt nagelneu war der Apolda-Campingwohnwagen von Reinhard und Friedchen nun nicht mehr, eigentlich genau das Gegenteil. Er trägt die Nummer 14 der Baureihe Apolda III und gilt damit heute als der älteste erhaltene Wohnwagen der Firma Horst Immisch Fahrzeugbau. Ein Wohnwagen, für den Alberta Immisch am 25. Juli 1972 ihrem Kunden die Details des „Apolda“ erläuterte und den Fahrzeugbrief ausstellte. 51 Jahre später haben Reinhard und Friedchen genau diesen Fahrzeugbrief wieder dabei. Und Frau Immisch lässt es sich nicht nehmen, genau das noch einmal zu tun: Alle Details und Eigenheiten des „Apolda“ werden vor der alten Werkstatt Horst Immischs noch einmal durchgesprochen. Der älteste bekannte Apolda-Wohnanhänger geht damit erstmals den ungewöhnlichen Weg zurück, den alle anderen „Apolda“ gehen mussten.

Horst Immischs Werkstatt lag in einem Innenhof, deren einzige Zufahrt ein schmaler Weg durch das Vorderhaus war. Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Aber was einmal passte, passt natürlich noch immer. Wer einen „Apolda“ zur Werkstatt Immisch schiebt, sollte den Wohnwagen dabei nicht seitlich anfassen. Doch der Weg lohnte sich noch. Reinhard und Friedchen wurden sehr emotional empfangen, schon lange stand kein „Apolda“ mehr auf dem kleinen Innenhof. Deshalb gab es auch nicht nur Geschichten zur Bedienung von Nummer 14, sondern auch zum Wohnwagenbau bei Immischs allgemein. Geschichten aus einer ganz anderen Zeit, als in gemütlicher kollektiver Atmosphäre und feinster handwerklicher Qualität so mancher Wohnwagen für die Republik entstand. Und wer sich für die Geschichte der Apolda-Wohnwagen interessiert, dem sei die neueste Ausgabe von 79oktan empfohlen, die aktuell auf dem Weg zu ihren Abonnenten ist.

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